Soll man auf Windows 10 updaten?

13. März 2016

Keine Verschwörungstheorien

Abseits der beliebten Verschwörungstheorien über die "Schnüffelsoftware" Windows 10 habe ich in diesem Artikel meine Gedanken und Erfahrungen zu obigem Thema aufgeschrieben. Da ich der Auffassung bin, dass Microsoft unabhängig von Windows 10 über die Verteilung von Updates jede denkbare Software auf jeden beliebigen PC installieren und damit nach Belieben schnüffeln kann, ist diese spezielle Fragestellung einer Meinung nach komplett von der Versionsnummer des Windows-Betriebssystems unabhängig. Darum klammere ich diesen Punkt in meinen Überlegungen bewusst aus. Wenn man sich vor dem Zugriff der Softwarehersteller schützen möchte, muss man das LINUX-System nutzen (Apple scheidet in dem Zusammenhang natürlich auch aus) oder am besten gar keinen Computer.

Ausgangssituation

Microsoft hat zwar immer noch eine große Nutzerbasis im Desktop-Bereich, hat im Laufe der Zeit jedoch in vielen Bereichen den Anschluss verloren bzw. hechelt hinter seinen Mitbewerbern hinterher:

  • Suchmaschinen
  • Mobile Endgeräte
  • Cloud-Services
  • Verteilung multimedialer Inhalte über das Internet
  • Software-Distribution über ein AppStore

Außerdem sind die MS-Benutzer aufgespalten in die unterschiedlichen Versionen von Windows und Office. Da jedermann mit Windows 7 und Office 20xx zufrieden ist, gibt es aus Nutzersicht eigentlich keinen Grund, Software zu kaufen. Gleichzeitig ist der Verkauf von Software zusammen mit neuer Hardware durch die erheblich verlängerte Nutzungsdauer von PCs stark reduziert. So betrachtet ist Microsoft eigentlich ein Pleitekandidat.

Vermutete Ziele von Microsoft

Um diese Pleite abzuwenden, muss Microsoft sich komplett umorientieren. Das ist der tiefere Sinn hinter Windows 10. Außerdem sollen noch einige andere Probleme beseitigt werden, die sich aus der Historie ergeben. Aus meiner heutigen Sicht sehe ich für Microsoft die folgende Interessenslage:

  • Eine einheitliche Softwarebasis soll die Aufsplittung der Gemeinde in Nutzer unterschiedlicher Versionen verhindern.
  • Zwangs-Updates garantieren denselben Software-Stand aller Nutzer.
  • Durchsetzung einer technologischen Basis für die Implementierung neuer Geschäftsmodelle (Miet-Software, AppStore, Streaming-Dienste, …)
  • Reduzierung der Kosten durch Unterstützung nur noch einer Software-Basis

Risiken bei der Umstellung

Windows 10 unterscheidet sich aus Nutzersicht nicht groß von den Vorgänger-Versionen. Insofern spricht grundsätzlich nichts dagegen, auf seinen Rechnern diese Software zu installieren. Viele der neuen Features sind für Desktop-Benutzer zwar bedeutungslos, allerdings ist die Stabilität der Windows-Betriebssysteme ständig verbessert worden, so dass man mit Windows 10 ganz allgemein von der Wartung und Pflege des Systems profitiert. Die folgenden Gründe sprechen jedoch konkret gegen eine Umstellung:

  • Auf den meisten Rechnern funktioniert zwar nach einer Umstellung alles wie vorher. Ich habe aber auch schon Rechner gesehen, die nach einem Update nicht mehr zuverlässig aus dem Ruhemodus aufwachten, die keine unterstützten Grafik-Treiber mehr hatten oder sonstige kleine Macken aufwiesen. In diesem Fall kann man das Update zwar rückgängig machen. Aber auch diese Möglichkeit soll nicht in allen Fällen zuverlässig funktionieren.
  • Einige Dinge sind wirklich schlechter als bei Windows 7: Die Umstellung von der Systemsteuerung zu den unstrukturierten PC-Einstellungen, die randlosen Fenster, der Wegfall der Desktop-Gadgets, der Wegfall des Windows MediaCenters sowie das komplett verkorkste Startmenü.
  • Wir wissen nicht, ob Microsoft mach der erfolgreichen Umstellung eines gewissen Prozentsatzes der Benutzer die Katze aus dem Sack lässt und bestimmte Dienste auf einmal kostenpflichtig macht. Es wird wohl in keinem Fall darum gehen, dass Microsoft große Geldmengen einfordert, sondern eher darum, den Leuten kleinere feste Beträge für die Benutzung der Software oder bestimmter Dienste abzuknöpfen. Ich halte das nicht einmal für illegetim, denn Microsoft muss ja von irgendetwas leben. Allerdings habe ich das ungute Gefühl, dass da nicht komplett mit offenen Karten gespielt wird.

Was ist neu in Windows 10 und wo ist der Nutzen?

Wo liegt jetzt für den normalen Benutzer - über die schon oben erwähnten Aspekte der allgemeinen Systempflege - der Nutzen durch ein Update auf Windows 10? Hier muss man wirklich lange suchen, da sich gegenüber den bestehenden Windows 7 / 8 / 8.1-Umgebungen nicht wirklich viel verändert hat. Die folgenden Dinge müssen in diesem Zusammenhang aber genannt werden:

  • Die bessere Unterstützung von Geräten mit Touch-Bedienung ist meiner Meinung nach der wichtigste Pluspunkt der aktuellen Windows-Version.
  • Windows as a Service: Wenn man sich jetzt für Windows 10 entscheidet, muss man sich nie wieder um Updates auf ein anderes Windows kümmern. Kleinere Updates werden wir gewohnt aufgespielt und von Zeit zu Zeit tauscht Microsoft zusätzlich das komplette Windows-System in Form einer Update-Installation gegen ein neues Release aus. So wird im Moment schon das nach der Erstveröffentlichung zweite Windows 10-Release, die Version 1511, auf den Rechnern verteilt. Auf diese Weise soll gewährleistet werden, dass die Windows 10-Systeme bei den Benutzern immer wieder aufgefrischt werden und nicht vor sich hin gammeln.
  • Der Digitaler Assistent Cortana (Nachbau von Apples Siri): ich schalte den jedoch immer aus, weil ich im Internet über einen Browser und lokal mit Hilfe des Suchfeldes oder anderer Programme suche.
  • Edge: Der neuer Browser löst den Internet-Explorer ab – das ist für mich unerheblich, denn ich benutze immer Chrome.
  • Neues Startmenü: Ist eher ein Nachteil, weil es völlig missraten ist – ich benutze statt dessen ClassicShell (siehe unten).
  • Apps: Bei den für Touch-Oberflächen optimierten Programmen war bisher nichts dabei, was für mich relevant war. Das kann sich in Zukunft natürlich noch ändern. An der Bedienung der „normalen“ Software hat sich aus Sicht eines Desktop-Benutzers praktisch nichts verändert. Ein Riesenproblem der Apps ist, dass diese die gewohnte Bedienung mit der Maus und der Tastatur nur rudimentär unterstützen und es keine einheitlichen Bedienkonzepte gibt (keine Menüleiste, keine rechte Maustaste, kein Drag-and-Drop, kaum Controls …).

Unbedingt empfehlenswerte Zusatzsoftware

Für mich wird Windows 10 erst durch diese beiden Programme überhaupt benutzbar:

ClassicShell

Dieses Startmenü ist so, wie ich es mir eigentlich von Microsoft gewünscht hätte. Ich bevorzuge die Darstellungsvariante „Classic mit zwei Spalten“. Erhältlich ist es unter der Web-Adresse: http://www.classicshell.net.

7+ Taskbar Tweaker

Mit dieser Software kann das Verhalten der Schaltflächen auf der Taskleiste fein ausgesteuert werden. Die für mich wichtigste Einstellung ist, dass man nach der Installation dieses kleinen Programmes die Schaltflächen auf der Taskleiste beliebig verschieben kann. Das Standard-Verhalten ist so, dass die zu einem Programm gehörenden Schaltflächen immer beieinander stehen und immer in der Reihenfolge des Aufrufs dargestellt werden. Der Programmierer dieses kleinen Programmes hat genau die Dinge zu Ende entwickelt, die Microsoft zur Verfügung hätte stellen müssen. Das Programm ist hier http://rammichael.com/7-taskbar-tweaker erhältlich.

Fristen

Die Möglichkeit, eine ältere Windows-Version kostenlos auf Windows 10 upzudaten, besteht sicher bis Ende Juli 2016. Abhängig vom Kaufzeitpunkt eines mit Windows 7, 8 oder 8.1 ausgerüsteten Fertig-Rechners wird es - laut Ende Juni 2015 veröffentlichten Microsoft-Dokumenten - möglich sein, dass einige Rechner noch bis zu zwei Jahre nach dem offiziellen Marktstart von Windows 10 mit dem Upgrade versorgt werden können. Darauf sollte man sich freilich nicht zu sehr verlassen. Im Gegenzug wird Windows 7 noch bis zum Jahr 2020 mit Updates versorgt. Wenn man jetzt also erst einmal abwarten will, wie sich die Dinge entwickeln, muss man das Update auf Windows 10 dann bezahlen. Es werden für ein solches Update gewöhnlicher Weise zwischen 50 und 100 € fällig.

Keine Aufforderung zum Update mehr

Wenn man sich entschieden hat, seinen Rechner nicht mit Windows 10 auszustatten, sollte man das Programm gwx.exe (Get Windows 10), das per Update auf die Rechner verteilt wurde, und die Benutzer nötigt, das Update auf Windows 10 durchzuführen, dauerhaft deaktivieren. Hierfür gibt es einen offiziellen von Microsoft vorgesehenen Weg, der hier http://www.heise.de/newsticker/meldung/Upgrade-auf-Windows-10-per-Doppelklick-verhindern-3093805.html beschrieben wird. Einige Foristen beschreiben in den Beiträgen zu diesem Artikel allerdings auch, dass diese Methode nicht korrekt funktioniert bzw. sogar Rechner in nicht bootbarem Zustand zurücklässt. Von daher geschieht die Anwendung auf eigenes Risiko.

Fazit

Am Ende muss jeder selbst entscheiden, ob er das Geschenk Windows 10 von Microsoft, das sich später eventuell als Trojanisches Pferd entpuppen wird, annehmen möchte oder ob er erst einmal abwartet und zu einem späteren Zeitpunkt kostenpflichtig eine Lizenz erwerben muss. Ich persönlich hätte es bevorzugt, wenn Microsoft die Lizensierung seiner Software auf eine faire Mietbasis für alle umgestellt hätte und sich ansonsten wieder vermehrt der Qualität der Software gewidmet hätte, statt den Konkurrenten Google und Apple mit Geschäftsmodellen hinterherzulaufen, die man nicht beherrscht.

ClassicShell

Mit diesem Startmenü können Programme in Windows 10 wie gewohnt gestartet werden. Ich bevorzuge die Darstellungsvariante "Classic mit zwei Spalten".

7+ Taskbar Tweaker

Der Taskbar Tweaker erweitert die Features der Windows Taskleiste ab Windows 7. Weitere Informationen dazu siehe unten im Beitrag.